Sonntag, 20. November 2011 um 11:13 Uhr

Die Quartalstrinker: Ouzo 12: Das Getränk zur Krise

Verfasst von Redaktion

Ouzo also. Was sonst? Während andere um Milliarden zanken, wollten wir ein starkes Signal der europäischen Solidarität an das Mutterland der europäischen Demokratie aussenden. Wir sind an eurer Seite! Deshalb kauften wir auch nicht nur irgendeinen Ouzo, sondern OUZO 12, dessen Geschichte – wie man dem Etikett entnehmen kann – schon im Jahr 1880 im Holzfass des Wirtes Kaloyiannis begann.

Nach der Arbeit bleibt wenig Zeit für die dringend notwendige häusliche Regeneration. Entsprechend gereizt bin ich, als vor dem Supermarkt meines Vertrauens ein abgehalfterter, schlecht rasierter Kerl ebenso lautstark wie erfolglos versucht, seinen Einkaufswagen in die vor dem Eingang stehende Wagenkette zu rammen und damit den Verkehr aufhält. Wie ein Rottweiler hat er sich verbissen, kämpft, rast, tobt, Funken sprühen aus dem Metallgestänge, längst sind die ersten Fotohandys von den umstehenden Kunden in Stellung gebracht worden. Enttäuschung macht sich breit, als die traurige Witzfigur in sich zusammenfällt und schluchzend, unter Verzicht auf die – nennen wir sie nostalgisch »Korbmark« – von dannen zieht.

Sonntag, 06. November 2011 um 11:09 Uhr

De Laden - Ein Kortgeschicht

Verfasst von Susanne Bliemel

De Wind spälte in de bunten Schleufen vun de Kaukenharten, de vör de Ladendör hüngen. Sei schunkelten kommodig hen un her an den Haken in de Backsteinwand. Bi dit schoene Wäder höll ein blänkern, messingschen Mechanismus, de in dat Stratenplaster inschlahn wier, de grote blage Dör apen. De Jung hett dissen gollenen Schnapper ofteins ankeken. Hei sehg ut as`n springenden Löwen. Achtern harr hei `n fienen Stiert, denn `n afschubberten Puckel un vörn dägte Vorderpoten ünner de Mähn, de in den Ring vun de Dör inhakten. De Jung stünn vör den Laden un keek in dat Schaufinster. Ümmer wedder baukstabierte hei dat dägte Ladenschild »Süßwarenfachhandel I. EBEL«. Oewer hei truugte sick `ne lange Tied nich `rin.

Fürstenspiegel sind eine Sache vergangener Tage. Seinerzeit sollten die Herrschenden ihnen die Grundsätze des guten Regierens entnehmen. In Zeiten der repräsentativen Demokratie ist der Souverän aber nicht mehr ein Fürst oder König, sondern das Volk. Macht hat dieser Souverän meist nur noch an der Wahlurne bei der Aus- und Abwahl seiner Repräsentanten – den Politikern. Doch die Beziehung zwischen Politiker und Wähler ist eine Geschichte voller Missverständnisse, meint Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadtkorrespondentenbüros der BILD-Zeitung in seinem aktuellen Buch »Der kleine Wählerhasser«.

Sonntag, 23. Oktober 2011 um 16:46 Uhr

Kurz und Knapp - Der Kommentar

Verfasst von Udo Knapp

"Alle Staaten, die demokratischer wurden, sind zur selben Zeit auch bürokratischer geworden; denn der Bürokratisierungsprozess war in hohem Maße ein Ergebnis des Prozesses der Demokratisierung.« - Norberto Bobbio

Freiheiten und Rechte müssen in Gesetze übersetzt werden. Sie brauchen bei Strafe ihres Untergangs die Herrschaft der Gesetze. Sie brauchen Beamte, die Gesetze anwenden und die Gesellschaft entsprechend organisieren. Sie brauchen Richter, die über die Einhaltung der Gesetze wachen. Sie brauchen Gewaltorgane, die ihre Herrschaft durchsetzen. Beamte und öffentlich Bedienstete werden heute als Bürokraten beschimpft. Sie werden verachtet. Aber ohne loyale Beamte gäbe es keine Demokratie, und Freiheit schon gar nicht.

»Ich möchte Sie herzlich zur Einweihung der Biogasanlage einladen. Dann gibt’s Freibier und Bratwurst!« Friedrich Wilhelm Boese, der Projektentwickler aus Plau, verabschiedet fünfzig Bewohner und Gewerbetreibende aus Wüstmark und Umgebung, die zu einer Informationsveranstaltung der Stadt gekommen waren. Sie wollten Näheres über eine neue Biogasanlage erfahren, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft entstehen wird. Drei Jahre nachdem sie von der Stadt Schwerin genehmigt wurde. Deutlicher hätte Herr Boese nicht sagen können, dass der Bau feststeht. Viel versprochen haben sich die Wüstmarkerinnen und Wüstmarker von der Veranstaltung nicht. Jetzt haben sie immerhin die Aussicht auf Gratisbier und -wurst.

horizonte: Ronny, du bist Lehrer für Sozialkunde und Geschichte, warum interessieren sich junge Leute nicht für Politik?

 

Ronny Kessler: Ich weiß gar nicht, ob man das so pauschal sagen kann. In einer neunten Klasse ist es tatsächlich so, dass es weniger Interesse an Politik gibt, in der elften sieht es aber schon wieder ganz anders aus. Es kommt immer darauf an, wie man es vermittelt.

Zum fünften Mal seit 1990 unternimmt die SPD Anstrengungen für eine Parteireform. Diesmal hat eine organisationspolitische Kommission unter der Leitung von Andrea Nahles, Schatzmeisterin Barbara Hendricks und Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug ein Konzept erarbeitet. Der erste Diskussionsentwurf für ein organisationspolitisches Grundsatzprogramm liegt seit Mitte Juni vor und kann unter www.spd.de abgerufen werden. Generalsekretärin Andrea Nahles erläutert dort auch die Leitgedanken des Konzeptes:

In der SPD gilt es als Selbstverständlichkeit, eine stärkere Rolle des Bundes in der Bildungspolitik einzufordern. Das ist ja auch nur zu verständlich. In Bayern sind 1 + 1 schließlich ebenso 2 wie in Mecklenburg-Vorpommern. Und dass es dem Bund im Grunde verboten ist, sich direkt an der Bildungsfinanzierung zu beteiligen, macht ebenso wenig Sinn. Mit einer steigenden Rolle des Bundes könnte allerdings auch eine massive Entdemokratisierung und Bürokratisierung der Bildungspolitik einhergehen. Das zeigt die Rolle der Kultusministerkonferenz.

horizonte: Herr Bluhm, lassen Sie uns eine Zeitreise unternehmen: Wir schreiben den Oktober des Jahres 1990. Der 30-jährige Andreas Bluhm hat etwas Erfahrung im politischen System der DDR gesammelt und steht kurz vor seiner ersten Landtagssitzung als Parlamentarier. Welche Erwartungen hatte dieser junge Mann?

 

Bluhm: Erst einmal hatte ich Herzklopfen. Ursprünglich habe ich kandidiert, weil ich davon ausging, dass es kein Full-Time-Job ist.

Neben der Finanz- und Schuldenkrise erlebt die Europäische Union derzeit eine weitere Krise, die noch gefährlicher werden kann, als die drohende Insolvenz einzelner Mitgliedsstaaten. Denn das vereinte Europa steckt mitten in einer Systemkrise der demokratischen Repräsentation.

Montag, 05. September 2011 um 16:19 Uhr

Postdemokratie - Fehlen der Demokratie die Demokraten?

Verfasst von Erik Gurgsdies

Die Stuttgarter Wut-, so die einen, Mut-Bürger, so die anderen, die wie aus dem politischen Nichts das lange vorher durchgeplante und politisch beschlossene Großprojekt Stuttgart 21 attackierten und noch attackieren, dürften demokratische Politik ungefähr so empfinden, wie sie der englische Politikwissenschaftler Colin Crouch in seinem einflussreichen Buch Post-(=Nach)demokratie beschreibt: Wahlen werden zwar nach wie vor abgehalten, die öffentliche Debatte insbesondere bei Wahlkämpfen wird jedoch so stark von professionellen PR-Experten gesteuert, dass sie mehr einem medialen Spektakel als einer Auseinandersetzung um unterschiedliche inhaltliche Positionen gleicht. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle. Die reale Politik findet im Schatten dieser politischen Inszenierung weitgehend hinter verschlossenen Türen zwischen gewählter Regierung und den wirtschaftlichen Eliten statt.

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    Andreas Wagner (geb. 1964) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Politische Memoriale e.V. in Schwerin.
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