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Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts«, hörte man Sigrid Keler häufig sagen. Zumindest darin war sie sich stets mit allen Fachpolitikern einig – und meinte doch etwas völlig anderes. Fachpolitiker blicken auf das Heute und das Morgen. Sigrid Keler nahm stets das Übermorgen in den Blick. Wenn sie bei vermeintlichen Wohltaten also heute so manches Mal auf die Bremse trat, tat sie dies deshalb, um »Wohltaten« auch übermorgen noch möglich zu machen. Im Grunde machte sie erst das zur vollen Sozialdemokratin. Denn die Sozialdemokratie gründete sich im 19. Jahrhundert, um die Inter-essen jener zu vertreten, die aufgrund unverschuldeter gesellschaftlicher Benachteiligungen über schlechtere Chancen als andere verfügen. Für Sigrid Keler zählten hierzu aber nicht nur jene, die heute leben, sondern auch jene, die morgen erst geboren werden und daher – so gesehen – am schwächsten sind. Als Finanzpolitikerin war sie so die Anwältin von Generationen, die heute noch gar keine eigene politische Stimme haben. Dies setzt jedoch den Mut und die Kraft voraus, nicht immer nur an das eigene Ansehen und den nächsten Zeitungsartikel von morgen zu denken. Gerade deshalb konnte sie es im wahrsten Sinne des Wortes nicht ertragen, wenn vermeintliche Wohltäter heute Geschenke verteilen wollten, die in Wahrheit von künftigen Steuerzahlern über Zins und Zinseszins zu bezahlen sind. Sie kämpfte daher, auch und vor allem unter Rot-Rot, gegen das Weihnachtsmannsyndrom: roter Mantel und ein dicker Sack voller Geschenke – bezahlt mit ungedeckten Schecks. Besonders unglaubwürdig und auch moralisch zweifehaft wird dieses »Prinzip Weihnachtsmann« allerdings dann, wenn sich die »Geschenke« ohne nachhaltige Haushaltsstruktur an heutige Kinder und Jugendliche richten und letztlich über Defizite, also von den Empfängern selbst, bezahlt werden. Geschenke übergibt man den Bedachten gefälligst kostenfrei – ohne Hintertürchen –, sonst sind es einfach keine. Künftige Generationen werden vielleicht nicht einmal ahnen, wer Jahrzehnte zuvor maßgeblich dafür verantwortlich war, dass sich MV auch im Jahr 2040 noch mehr Bildungs- und Sozialausgaben leisten kann als andere Bundesländer. Vergleicht man die Schuldenentwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1998-2007 mit der der ostdeutschen Flächenländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, so hat MV in dieser Zeit etwa 1,3 Mrd. Euro weniger Schulden aufgenommen als diese Vergleichsländer. Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 4-5% erspart dies dem Land Jahr für Jahr 50-65 Mio. Euro Zinsen, die ebenso Jahr für Jahr für Wohltaten der Zukunft zur Verfügung stehen – auch im Jahr 2040. Welcher Fachpolitiker kann schon von sich behaupten, das Land so nachhaltig verändert und so gewichtige Voraussetzungen für Wohltaten geschaffen zu haben? Wer Sigrid Keler daher für »geizig« und »uneinsichtig« hält, hat sie nie wirklich in entscheidenden Situationen erlebt und vor allem ihre Motive nicht verstanden. Sie fühlte sich verantwortlich für das Übermorgen in der Gegenwart. Ihre Finanzpolitik war stets dem langfristigen Gemeinwohl verpflichtet. Und man sollte auch Eines nicht vergessen: Diese Leistung verdankt das Land nicht nur Sigrid Keler, sondern ebenso den Mitarbeitern des Finanzministeriums, die täglich engagiert und kompetent arbeiten, häufig ganz im Stillen – auch für zukünftige Generationen.
Mathias Brodkorb (geb. 1977) ist stellvertretender SPD-Landesvorsitzender und hochschulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion MV
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